Jahresrückblicke ohne Udo Jürgens und Joe Cocker

Manchmal frage ich mich ja, warum die TV-Sender schon Anfang Dezember einen Jahresrückblick zum erst zu elf Zwölfteln abgelaufenen Jahr senden; auch viele Verlage haben bereits entsprechende Printprodukte in den Auslagen der Kioske platziert. An diese meine Gedanken erinnere ich mich anno 2004, als der Tsunami am 27. Dezember im Indischen Ozean wütete und ca. 230.000 Menschen das Leben nahm.

Und ich denke das jetzt auch wieder: Die unsäglichen und fremdenfeindlichen „Pegida“-Demonstrationen (auch heute wieder u.a. in Dresden und in meiner Geburts- und immer noch Heimatstadt Bonn) gehören genauso zum Jahr 2014, wie auch der Tod der beiden überragenden Musiker Udo Jürgens (gestern) und Joe Cocker (heute).

Als ich gestern vom Tode Udo Jürgens‘ erfuhr – ich kam gerade vom Adventsingen der Aachener Domsingschule aus dem Dom heraus -, hatte ich zuerst den Gedanken: „Schade. Ein großer Entertainer. Es trifft uns aber nun mal alle irgendwann einmal.“ Und so schlenderte ich relativ wenig berührt noch über den Aachener Weihnachtsmarkt. Erst später, zu Hause in der Wohnung, verdichtete sich sein musikalisches Schaffen für mich, angesichts vieler Tweets und Facebook-Einträge mit Links zu entsprechenden Berichten und Videos. Ich summte oder sang bei dem einen oder anderen Lied sogar mit. Und so war ich gegen 1.30 Uhr in der Nacht von mir selbst überrascht, dass ich noch eine Sondersendung über Udo Jürgens schaute. Denn ich bin nun wahrlich kein Udo Jürgens-Fan, habe kein Album und keine CD von ihm in meinem Regal stehen. Geschweige denn, dass ich je ein Konzert von ihm besucht hätte. Seine Musik hat Spuren hinterlassen, auch bei mir – unzweifelhaft. Zugehört habe ich seine Texten aber anscheinend nie so richtig, wie ich diesem Blogbeitrag heute Vormittag entnahm. Da muss ich wohl noch was nachholen.

Heute Abend dann eine ganz andere Situation. Während ich per Twitter die – ich wiederhole mich – unsäglichen! Pegida-Demonstrationen verfolge und mit Sympathie auch die Gegendemonstrationen!, taucht die Nachricht über den Tod der Rock’n’Blues-Legende Joe Cocker in der Twittertimeline auf. Ich war geschockt. Eine Freundin aus dem BAP-Fankreis (K.B.) beschrieb das für sich so:

Der Tod Udo Jürgens hat mich nicht geschockt,aber der Tod von Joe Cocker schockt mich wirklich! Ein großartiger Künstler,danke für einige tolle Konzerte die ich live erleben durfte!

Das hätten auch meine Worte sein können. Ja, als ich das so las, war mir auch bewusst: Joe Cockers Tod hat mich wirklich tief berührt. Er tut es immer noch. Woran mag es liegen, dass das tiefer geht, als der gestrige Tod von Udo Jürgens? Liegt es nur daran, dass mir Woodstock, wo sein Stern aufging, als musikalisches Weltereignis präsent ist? Oder weil ich Joe Cocker anno 1985 beim „Rock am Ring“ live erleben durfte? Oder weil seine Musik auch andere MusikerInnen prägte, die ich ebenfalls gerne höre?

Eins steht jedenfalls fest: Einen Künstler dieses Weltformats live gesehen zu haben – das hinterlässt Spuren! Und so verwunderte es mich eben auch nicht besonders, dass meine allererste CD (sic!) eben eine von Joe Cocker war:

Joe Cocker-Album: "The Voice"
Joe Cocker-Album: „The Voice“ (1986; gekauft 1988).

Neben dieser CD stehen übrigens noch zwei Vinyl-Alben in meinem Plattenschrank („Cocker“, 1986, und „unchain my heart“, 1987). Mein musikalisches Programm für den heutigen Abend – Adventzeit hin oder her – steht fest.

Ich komme zurück zur Überschrift des Blogbeitrages. Mein Vorschlag an die TV-Sender und Verlage: Bringt die Jahresrückblicke doch im Januar heraus. Dann verdienen eure Publikationen auch den Namen. Und bei mir dann vielleicht auch einen weiteren Abnehmer.

Und Ihr, Udo und Joe, schenkt dem Himmel gemeinsam mit den vielen Musiker-Kolleg/-innen, die vor Euch gegangen sind, eine schöne Party!

2 comments

  1. Uschi Reply

    Diese Jahresrückblicke vor Jahresende empfinde ich auch immer als total verkehrt. Blöde Sitte, genau wie Abi-Feiern, bevor man das Abi wirklich hat…

  2. Ralf Post authorReply

    Nachtrag: Dass Joe Cocker in 2010 bei „Wetten, dass..?“ zu Gast war, war mir sogar ein Tweet wert:

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