Wie ich den Fall der Berliner Mauer erlebte …

Ein Stück der Berliner Mauer.

Heute vor 30 Jahren „fielen“ sie also: Die 167,8 km lange Berliner Mauer – und der Mauerstreifen, der über 1.378 km die DDR von der Bundesrepublik trennte.
Der 9. November ist eine gedenkenreicher Tag in Deutschland, denn nicht nur dieses freudige Ereignis ging in die Weltgeschichte ein:

Aber zurück zum 9. November 1989, den ich als 23-Jähriger aus der Ferne – wie wohl Viele von euch auch – live miterlebt habe: Was ich an dem Tag über genau gemacht habe, daran kann ich mich nicht mehr erinnern. Ich war Student der Volkswirtschaftslehre an der Uni Bonn und wohl sehr wahrscheinlich in den Juridicum-Hörsälen unterwegs.

Am Abend jedoch stand ein Termin meines Ehrenamtes im Kalender: Als KLJB-Diözesanvorsitzender im Erzbistum Köln fuhr ich mit weiteren KLJB’ler*innen, die ich unterwegs in mein Auto eingeladen hatte, von Alfter-Oedekoven nach Brühl, wo wir die im Februar 1990 in der Jugendbildungsstätte Haus Venusberg stattfindende KLJB-Bundesversammlung vorbereiteten. Alles deutete auf einen eigentlich normalen Abend hin, denn in guter Arbeitsatmosphäre – so meine ich mich zu erinnern – kamen wir gut voran und erstellten hochkonzentriert und abseits jeglicher Einflüsse von außen ein gutes Programm für die von uns übernommenen Aufgaben während der Bundesversammlung.

Irgendwann gegen 22 Uhr hieß es dann die Vorbereitungsrunde zu beenden, denn am nächsten Tag riefen wieder Universität und Arbeitsplatz. So fuhren wir zu Viert in meinem Audi 50 von Brühl zurück durch das Vorgebirge Richtung Oedekoven. Unterwegs reflektierten wir noch den Abend und ich lud Stück für Stück meine drei Mitfahrer*innen aus.

Im kleinen Ort Gielsdorf gibt es an der Alfterer Straße immer noch eine kleine, private Tankstelle. Dort winkte mich, ich schätze mal gegen 22.30 Uhr, eine rote Kelle zur Polizeikontrolle auf das Tankstellengelände. Ruhigen Gewissens, das Auto war gerade erst durch den TÜV und ich hatte als Autofahrer natürlich auf Alkoholkonsum am Abend verzichtet, fuhr ich rechts ran und folgte den etwas harschen und unfreundlichen Anweisungen des Polizeibeamten. Ich gab meine Fahrzeugpapiere heraus, öffnete den Kofferraum und blies in das Röhrchen. Ich hatte ein reines Gewissen. Wegen der Unfreundlichkeit des Beamten sprach ich selbigen darauf an, woraufhin er noch unwirscher wurde. Ok, dachte ich mir, dann lasse ich mir mal seinen Vorgesetzten kommen, denn so muss ich ja nicht mit mir umgehen lassen. Gesagt, getan, der Vorgesetzte kommt, nimmt sich meine Papiere und fängt an sich hundertmal für seinen Kollegen zu entschuldigen: Er hatte meinen Namen gelesen und erkannt, dass ich der Sohn des „Dorfsheriffs“ bin.

„Das ist Live aus Berlin. Die Mauer ist gefallen!“

Zuhause angekommen (inzwischen dürften es ca. 23 Uhr gewesen sein), das ist von der Tankstelle aus ca. einen Kilometer den Berg hoch, saßen meine Eltern erstaunlicherweise noch im Wohnzimmer vor dem Fernseher. Mein Vater sagte nur: „Psssst! Das ist Live aus Berlin. Die Mauer ist gefallen!“ Ich dachte, er wollte mich auf den Arm nehmen, setzte mich dazu … und tatsächlich: Das war kein Film oder gar eine Fake von einer VHS-Videokassette! Das war tatsächlich live!

Den Rest des Abends verbrachte ich, auch nachdem meine Eltern zu Bett gegangen waren, bis spät in die Nacht im Wohnzimmer vor dem Fernseher. Ich musste am nächsten Tag ja „nur“ in die Uni …

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