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InterRail vor dreißig (!!) Jahren

Ja, InterRail, dieses Bahnfahren in Europa mit nur einem Fahrschein zu einem Pauschalpreis – das gibt es nicht nur heute in unterschiedlichen Varianten mit Länderregionen und für verschiedene Altersklassen, sondern folglich auch in verschiedenen Preislagen. Damals, vor dreißig Jahren, anno 1989, gab es aber nur ein einziges InterRail-Ticket: Einmal Europa pauschal für junge Menschen bis zum vollendeten 27 Lebensjahr.

Ich hatte dreimal das Vergnügen, mit dem InterRail-Ticket Europa entdecken zu dürfen: 1989, 1990 und 1991.

Und da mir heute Morgen einfiel, dass ich jetzt gerade zu dieser Zeit vor dreißig Jahren durch Frankreich tourte, dachte ich mir: Da könnte ich doch mein altes Tagebuch von 1989 rausholen und es digitalisieren. Nach einer kurzen Umfrage auf Twitter …

… ist es nun fix! Ihr wollt es, dann bekommt Ihr es auch. 😊

In den kommenden Tagen erscheinen also die Tagebucheinträge hier im Blog – unter dem genauen Datum des jeweiligen Reisetages. Damit Ihr nicht jedes Mal weit zurückblättern müsst, gibt es hier Stück für Stück die Links zu den Blogeinträgen.

Anlass dieses InterRail-Urlaubes in Frankreich war das große Treffen der französischen Landjugend MRJC, zu dem ich damals als KLJB-Diözesanvorsitzender im Erzbistum Köln mit vielen anderen KLJB’ler*innen eingeladen war.

InterRail 1989 durch Frankreich
InterRail 1989 durch Frankreich

Na dann, viel Spaß beim Eintauchen in alte InterRail-Zeiten, in denen es selbstredend noch keine Digitalkameras gab! 😉

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InterRail, Tag 2: Paris – Bordeaux

15. Juli 2019 | InterRail vor 30 Jahren: Wie es zu diesem „alten“ Blogbeitrag kommt, habe ich hier beschrieben.
Ich lege also unvermittelt nun mit dem Tagebuch von damals los! Denkt dran: Wir sind in 1989 – die Mauer ist noch nicht gefallen, es gibt noch DM und Französische Francs (FF)!

In Rochefort hinter La Rochelle ca. 7.10 Uhr aufgewacht – wolkenlos – Sonne. 25-27-jähriger hat auch bei mir im Abteil geschlafen. 8.30 Saintes, 9.00 Bordeaux.

Bordeaux

Sitze jetzt gegenüber dem Bahnhof St. Jean in einem Café/Bistro und trinke einen Caf é au lait (10 FF). So, wie die Sonne jetzt scheint, kann es nur ein guter Tag werden. In der JH den Rucksack abgestellt – Stadtbummel, Fußgängerzone – 11 Uhr Place des Comedie, Hotel des quatre Soeurs -> Bitburger entdeckt! – Postkarten (6 x 2 FF) und Briefmarken (6x 2,20 FF) gekauft. Mittagessen: Sandwich (13 FF); eingekauft: 1 Liter Wasser, Schnellkaffee, Limo (17,25 FF). Zurück Richtung Jugendherberge, unterwegs die Postkarten geschrieben. Zum Bahnhof: Toilette (tut das guuuut!) 1,50 FF, und Abfahrtszeiten für Montag geschaut: 9.10 Uhr, Gleis 1.

InterRail 1989: Bordeaux
InterRail 1989: Bordeaux

Sitze jetzt, 14.50 Uhr, vor dem Bahnhof St. Jean, trinke ein Bier (9 FF) und warte darauf, dass die JH wieder aufmacht, um einer der ersten zu sein, der einen Platz bekommt.

Irgendwie ist die Sonne hier ganz anders als bei uns: schwitzen, ohne überhaupt was zu tun. Ich glaube, meine Arme sind nur durch den heutigen Tag schon ’ne Nummer brauner geworden. Warte seit 15.30 Uhr mit ca. 10 anderen Leuten darauf, dass die Uhr 18 zeigt: JH öffnet, im Laufe der Zeit kommen immer mehr hinzu – Schweizer, Deutsche, Finnen, Amis, Dänen, … 17.45 Uhr: inzwischen ca. 40-50 Leute insgesamt, auch Österreicher, Kanadier, zwei Radfahrer – endlich drin!

InterRail 1989: Jugendherberge Bordeaux
InterRail 1989: Jugendherberge Bordeaux

Übernachtung 35 FF; erstmal duschen, schön kalt, da warm defekt, im 8-Mann-Zimmer. Habe mir in der Küche (Gas) zwei Würstchen heiß gemacht und esse den Camembert dazu, habe auch Pfefferminztee gekocht für in die Wasserflasche. In der Küche lernt man die Leute am besten kennen: zwei Schweizer, die sich meinen Topf ausleihen, u.v.a., weil ich der einzige bin, der Feuer hat. Gehe mir nach dem Abendessen das verdiente Bit holen: 13 FF. Zurück in der JH trinke ich noch ein Dosen-Kanterbräu: 5 FF. Gute Nacht!

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InterRail, Tag 1: Oedekoven – Paris

14. Juli 2019 | InterRail vor 30 Jahren: Wie es zu diesem „alten“ Blogbeitrag kommt, habe ich hier beschrieben.
Ich lege also unvermittelt nun mit dem Tagebuch von damals los! Denkt dran: Wir sind in 1989 – die Mauer ist noch nicht gefallen, es gibt noch DM und Französische Francs (FF)!

6 Uhr aufgestanden. Nach dem Frühstück werden noch die letztes Dinge in den Rucksack gepackt. Meine Eltern bringen mich an den Hauptbahnhof nach Bonn.

InterRail 1989 - Auf geht's nach Frankreich!
InterRail 1989 – Auf geht’s nach Frankreich! / Foto: meine Mutter

Bonn Hbf Abfahrt 7.33 Uhr. Bonn-Aachen 9,90 DM, IC/EC-Zuschlag 6,00 DM. Köln Hbf 7.55 – 8.18 Uhr. Aachen 8.55. Verviers , Lüttich, Brasseur, Namur, 10.40 Uhr. Carleroi (Sud) 11.23, Maubeuge 11.55 (+10), Saint Quentin 12.40 (+17), Paris Gare du Nord 13.55 (+15).

Paris

Sacre Cœur: leicht bewölkt, sonnig warm, schwitzend beim „Besteigen“ des Sacre-Cœur-Berges. Flics versuchen Touristen und sonstige Müde von den Wiesen zu vertreiben.

Metro: Anvers -> Nation (M2). kostenlos, das Staatsfeiertag. Nation -> Gare d’Austerlitz -> Bastille (M5). Bastille -> Champs-Élysées (M1). Im Gare d’Austerlitz keine freien Gepäckfächer, also behalte ich den Rucksack den ganzen Tag bei mir.

InterRail 1989 - Tagebucheintrag vom 14. Juli
InterRail 1989: Tagebucheintrag vom 14. Juli

Die Champs-Élysées entlang, voll, Musik, gute Stimmung, liege am Pavillon Ledoyen auf der Wiese, viel Polizei/Militär, gehe Richtung Obélisque de Louxor/Place de la Concorde, Brücke dort gesperrt, rechts der Seine zurück bis Pont Alexandre III., Uferwechsel zum Eiffelturm, Schlüssel nicht gefunden, über Pont d’Iéna u.z., vor dem Palais de Challot ist ein riesiges (?) Feuerwerk aufgebaut, Böllerei besonder unter einer Seine-Brücke (Schall) wie Silvester.

Metro: Invalides -> Duroc (M8), Duroc -> Gare d’Austerlitz (M10) gerade noch so erwischt. 23.56 Uhr: 72 FF für Liegeplatz abgedrückt, patschnass geschwitzt, unruhige Fahrt. 10 FF für halben Liter Wasser.

Auf dem Weg nach Bordeaux.

InterRail 1989: Liegewagenzuschlag Paris - Bordeaux
InterRail 1989: Liegewagenzuschlag Paris – Bordeaux

16. Juli 2019 |Was nicht im Tagebuch steht, aber – so denke ich – wichtig ist: Als ich im Gare du Nord ankam und mich bei der Touristen-Information nach Unterkunftsmöglichkeiten erkundigte, erntete ich ein großes Erstaunen: Heute? Am 200. Jahrestag der französischen Revolution? Um Gottes Willen! Trotz Geschichte-Leistungskurs hatte ich das nicht auf dem Schirm. Daher entschied ich mich schon im Gare du Nord, noch in der kommenden Nacht mit einem Nachtzug nach Bordeaux weiterzufahren.